Benedikt Frass :Recent Works

Gegenstand, Abstraktion und Gegenstandslos. Das sind die stilgebenden Komponenten in seinen neuen und neuesten Arbeiten. Unterschiedlich überwiegen die einzelnen Stile. Das Gegenständliche befeuert die Interpretationsmaschine, die einen dann durch die gegenstandslose Umgebung führt, die wiederum abstrahierende Momente enthält. Man ist sich nicht sicher: Sehe ich etwas? Soll ich etwas sehen? Will ich etwas erkennen.

 

Road Trip

Der Prozess also ist ihm wichtiger als das Sujet. Er vergleicht seine Arbeit mit einem Road Trip: Man schlägt eine gewisse Richtung ein, aber man kann abbiegen, verharren,  Begegnungen können die Weiterfahrt bestimmen oder auch das Denken ändern. Bis 2007 beschäftigt sich Benedikt Frass vor allem mit Portraits. Dann entstehen die „Abstrakten Landschaften Lunz“ –  eine intensive Auseinandersetzung mit Farbe, Komposition und dem Spiel der Gegensätze. Immer wieder spielt auch seine zweite Leidenschaft, die Architektur hinein, die in die Räumliche Malerei (Spatial Painting) führt.

 

Vielschichtigkeit

Die Konstante ist also eine ungewöhnliche Vielschichtigkeit, inhaltlich betrachtet ebenso wie technisch angewendet: Manche der aktuellen Arbeiten bestehen aus fünf bis zehn Layern (Schichten), immer wieder einmal scheint ein Stück rohe Leinwand durch, aus dem Hintergrund drängen zurückgelassene Inhalte: Hallo, ich bin auch noch da! Schau mich an! Oft weiß man nicht genau, was da ist, das Abstrakte ringt mit dem Konkreten. Zwei Frauen, ja, aber das Gesicht der einen ist ausgelassen. Ein Mann im Trenchcoat gewiss, aber er bricht im abstrakten, weißen Raum ein.

 

Offenheit

Dass die Situationen und Sujets oft nicht ganz klar sind, ist dem Künstler recht. Die Überlagerung von Ebenen, das Durchscheinen verschiedener Welten ist gewollt. Aber wann ist es genug? Diese Farbflecken da am Rand mussten sein – und jetzt noch ein Move zurück ins Gegenständliche? Etwas ganz anderes darüber setzen? Erkennen, wann Schluss ist, das ist eine der ganz großen Herausforderungen für Benedikt Frass. Der Gefahr, mit einer einzigen weiteren Schicht das Werk zu zerstören, will er sich immer wieder aussetzen.

 

Leerstellen

Der Anspruch, eben nicht fertig zu sein, treibt ihn an. Manchmal verwendet er alte Arbeiten als „Nährboden“, überarbeitet nach Monaten, Jahren, aufs Neue. Manchmal startet er ganz abstrakt: Nicht bewusste Gesten wie das Pinselauswaschen führen die Hand an die Leinwand. Aber es ist ja nicht irgendeine Hand, es ist seine Hand. Ein Mann, der kniet, entsteht, aber sein Gesicht ist abgewendet. Eine Gestalt mit Kapuzenpulli, aber ihr Gesicht ist ausgespart. Gesichtslose Portraits sind sein Markenzeichen. Dass gerade das Wesentliche oft fehlt, ist kein Zufall: Auch hier geht es um einen gewissen Grad an Abstraktion, etwas wird bewusst nicht fertig erzählt. Das Gegenständliche wird vom Abstrakten überwuchert. Es gibt etwas zu entdecken. Die Leerstelle will von der BetrachterIn gefüllt werden.

 

Tanja Paar

(September 2017)